im buch geht es um die person des manfred lenz, der in den 70er jahren versucht mit seiner familie über bulgarien aus der ddr in den westen zu flüchten. ziel: frankfurt am main, die heimatstadt seiner frau. leider wird die familie sofort nach ihrer ankunft in bulgarien gefasst und die eltern in das bekannte ddr-stasiuntersuchungsgefängnis berlin-hohenschönhausen gebracht. dort folgen 4 monate einzelhaft, schikanen und endlose verhöre, bis es eines tages zur verurteilung ihres “staatsverrats” kommt.
in “krokodil im nacken” lässt uns autor klaus kordon ddr-geschichte mit all ihren widernissen hautnah miterleben. man ist ganz eng dabei, wenn “manne” von mitunter fast humoristisch anumtenden stasi-verhörern, die von ihm auf namen wie knut oder einfach nur “der klassensprecher” getauft werden auf seine vaterlandsliebe getestet oder verbal drangsaliert wird.
trotz des schweren themas, kann man auch an vielen stellen des buches lachen. klaus kordon schafft es, die schwere des stoffes mit dem subtilen galgenhumor des protagonisten zu entschärfen. schier unzumutbare ungerechtigkeiten werden auf diese weise für den leser ertragbar gemacht, ohne dabei aber den ernst der verfahrenen lage ddr-flüchtiger aus den augen zu verlieren. gearbeitet wird bei kordon nicht mit gängigen klischees, sondern reflektiert betrachtet der leser sowohl gefangenen- als auch verhöreralltag in den ddr gefängnissen durch die augen manfred lenz’. dieser selbige, obwohl großer peinigungen ausgesetzt, bleibt bis zum ende ein eingenständiger denker, der nicht die gesamte ddr-welt über einen kamm schert. dies ist eine der größten qualitäten des buches. hier werden nicht landläufige meinungen zum thema ddr bedient, sondern rational das für-und wieder einer republikflucht beleuchtet.
vielleicht auch weil das buch mit seinen über 800 seiten sowas wie ein “kleiner wälzer” ist, erschien es mir mitunter etwas langatmig, besonders im mittelteil. hier beschreibt klaus kordon kindheit und jugend des manfred lenz, welche sicherlich nicht unerhebliche hintergründe seiner späteren republikflucht darstellen, mir jedoch etwas zu detailliert beschrieben wurden. dies ist aber ehrlich gesagt der einzige minuspunkt- so man es denn so nennen möchte – des buches. man muss auch hinzufügen, dass ich vor einiger zeit den roman “julians bruder” vom gleichen autor gelesen hatte und ich dieses buch einfach spitzenmäßig fand. meine erwartungshaltung war dementsprechend sehr hoch und fast unmöglich zu übertreffen. letzteres werk kordon’s kann ich euch im übrigen sehr empfehlen, wenn ihr mehr über die freundschaft zweier jungen, einer arisch, der andere jüdisch im 2. weltkrieg erfahren wollt.
klaus kordon ist eigentlich ein kinder- und jugendbuchautor, doch sind seine bücher wie ich nun schon zum wiederholten male feststellen konnte, auch für erwachsene ausgezeichnete literarische kost. “krokodil im nacken” wurde 2003 mit dem deutschen jugendliteraturpreis ausgezeichnet und war für den deutschen bücherpreis nominiert.
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