Da ich letztens die Frage danach bekam und das Thema, was wir denn eigentlich mit der Chli machen, während Markus und ich im Krankenhaus sind noch nie auf dem Blog beleuchtet wurde, habe ich gedacht, dass das vielleicht auch noch andere interessieren könnte. Ich merke nämlich, dass ich Tendenz dazu habe, über Gefühlsdinge immer viel zu palabern, dabei aber oft die ganz pragmatischen Sachen komplett aussen vor lasse, einfach weil ich irgendwie immer denke, dass ihr das eh schon längst wisst. Die meisten meiner Leser tun das vielleicht auch, einfach weil wir “im wahren Leben” miteinander befreundet sind aber ich habe ja erfreulicherweise auch noch ein paar andere Bloginteressenten, für die die ein- oder andere Sache manchmal sicher nicht ganz schlüssig ist.

Seit Neuestem macht es sich Lilly gern in ihrem Puppenbett bequem. So auch heute früh nach dem Aufstehen (wo sie ja eigentlich nur "die Maus" aufwecken sollte...)

Seit Neuestem macht es sich Lilly gern in ihrem Puppenbett bequem. So auch heute früh nach dem Aufstehen (wo sie ja eigentlich nur "die Maus" aufwecken sollte...)

So, das war jetzt praktisch die Einleitung und an gleicher Stelle mag noch mal erwähnt werden, dass auch für diese Nacht noch keine vorgeburtlichen Hinweise existieren. Das nur mal so am Rande quasi, um den “Geburtscountdown” nicht ganz aus den Augen zu verlieren… :-)

Geplant ist das ganze Betreuungsunterfangen von langer Hand, doch wissen wir am Ende natürlich nicht, wie es dann tatsächlich am Tag X aussehen mag. Da wir ja leider keine Familie hier oben haben, die wir fragen könnten, greifen wir auf unsere “Ersatzfamilie” zurück, unsere vielseits gerühmten Nachbarn. Die kennen Lilly ja schon seit ihrer Geburt (ich weiss noch, wie die Nachbarsfrau zufällig grad vorbeikam, als wir noch keine 10 Minuten aus dem Krankenhaus zurück waren). Sie vergöttern die Chli total, schenken ihr was zu Weihnachten, zum Geburtstag oder auch mal so zwischendrin und haben eine Tochter, Ida, die einen wahren Narren an Lilly gefressen hat. Letztere habt ihr in der Vergangenheit ja schon öfter auf dem Blog bewundern können. Überdies gibt es hier in Norwegen nur sehr wenige Menschen, zu denen wir so uneingeschränktes Vertrauen haben wie zu unseren “Anliegern”.

Oder aber sie setzt sich in ihren Puppenwagen und möchte umher geschoben werden :-)

Oder aber sie setzt sich in ihren Puppenwagen und möchte umher geschoben werden :-)

Der Plan ist folgender: Sollte nachts die Fruchtblase platzen/ich Wehen bekommen, klingeln wir die Nachbarn aus dem Bett. Diese müssen dann rüber kommen und morgens die Maus in den Kindergarten bringen. Sollte der Blasensprung am Wochenende passieren, müssen sie eben irgendwie versuchen, Lilly tagsüber zu beschäftigen. Das gleiche gilt natürlich auch für den Fall, Mini überlegt sich mitten am Tage rauszukommen. Dann holen die Nachbarn die Chli im Kindergarten ab und bringen sie ggf. abends ins Bett.

Egal wie, so richtig optimal ist das alles nicht, denn Lilly hat natürlich nicht so ein ausgeprägtes Verhältnis zu unserer “Ersatzfamilie” wie sie es z.B. zu ihren Grosseltern hätte, würden diese hier wohnen. Dafür sehen wir unsere Nachbarn leider viel zu selten. Trotzdem sind wir unglaublich froh, dass wir diese Möglichkeit haben und dass die vier (einen Sohn haben sie auch noch) sich so bereitwillig und enthusiastisch zur Verfügung stellen. Zumal das hier mit ordentlich Vorbereitung einhergeht. So kam die Nachbarin bereits zweimal mit mir mit in den Kindergarten, um Lilly abzuholen und einmal ging sie sogar allein. Danach nahm sie sie noch eine Stunde mit zu sich, wo die Kinder mit ihr spielten und die Chli einen leckeren Joghurt bekam. Und was machte die Mama derweile?! Die stand in der Stube hinter der Gardine und beobachtete, ob die Chli heulte oder nicht! Tat sie natürlich nicht! Im Gegenteil, als ich sie eine Stunde später bei Nachbars abholen war, nahm sie kaum Notiz von mir und spielte munter weiter, so als wäre es das Normalste von der Welt. Ihr könnt euch vorstellen, dass mir da ein ganz schöner Stein vom Herzen fiel!

Beim Kampeln mit Papa heute Abend.

Beim Kampeln mit Papa heute Abend.

So gesehen, denke ich schon, dass das im Ernstfall auch alles gut gehen wird aber mir graut eben trotzdem schon ganz schön davor. Ich war noch nie auch nur eine einzige Nacht getrennt von der Chli und nur allein daran zu denken, dass sie vielleicht ganze dreimal ohne mich schlafen muss, versetzt mich in helle Aufregung. Das ist eben wirklich das Komische daran. Vor der Geburt habe ich keine Angst, ganz im Gegenteil, ich freue mich regelrecht darauf. Nur eben das Getrenntsein von Lilly ist mir nicht einerlei.

Markus wird versuchen, die Tage, die ich im Krankenhaus bin freizunehmen, um bei Mini und mir zu sein. Nachmittags holen wir dann die Chli mit dazu. Es würde einfach nichts bringen, wenn wir alle vier den ganzen Tag in einem kleinen Familienzimmer aufeinander hocken würden (was rein theoretisch möglich wäre). Lilly würde sich totlangweilen und wie die ersten Tage mit einem Neugeborenen sind, wissen ja inzwischen die meisten von euch… Da bringt es nichts, die Chli noch mehr aus ihrem gewohnten Tagesablauf heraus zu reissen, für sie wird die Umstellung schon gross genug werden.

Wir werden einfach sehen, wie es läuft. Wahrscheinlich wird die Maus die ganze Situation wesentlich besser aufnehmen, als ich es mir in meinen schlimmsten Gedanken immer ausmale, insofern muss ich da einfach entspannen und die Dinge ihren Lauf nehmen lassen. Das gehört eben auch zum Mama-Sein dazu, das “Loslassen”. Aber irgendwie fehlt sie mir jetzt schon schrecklich… .

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