deutsch,
282 Seiten,
btb,
9 €,
Das Buch handelt von einer jungen Frau, die zu Ende des 2. Weltkrieges im russisch besetzten Teil Berlins um ihr Überleben kämpft. Im Vordergrund der Geschichte steht die allgegenwärtige Angst vor Vergewaltigung durch die russischen Besatzer und der feste Wille zu überleben und die Nachkriegszeit halbwegs unbeschadet zu überstehen.
Leider hatte ich das Buch nur von einer Kollegin geliehen und es schon vor einer Weile wieder zurückgegeben, ohne darüber nachzudenken, dass ich es hier ja noch gebührend rezensieren muss. Daher erinnere ich mich teilweise nur bruchstückhaft an das Gelesene.
Soweit aber das, was ich noch weiß:
Das Buch wurde anonym veröffentlicht, da die Autorin Anfeindungen bzw. Schuldzuweisungen ihrer Leser befürchtete. Unvorstellbar für unsere Generation- schließlich war die junge Frau nur Opfer in einer schrecklichen Zeit, in der Vergewaltigungen an der Tagesordnung standen. Von Schuld kann daher keine Rede sein. Auch nicht, was die teilweise schockierende Darstellung von der Suche nach Nahrungsmitteln betrifft.
Ich muss gestehen, dass ich zu Anfang ein wenig Angst hatte, das Buch zu lesen. Gerade kam ja der Film dazu in die deutschen Kinos und schon den konnte ich mir irgendwie nicht anschauen. Will man sowas sehen? Eigentlich nein, aber schließlich reden wir hier auch über einen Teil unserer Geschichte. Knifflige Frage. Meine Kollegin, von der ich mir das Buch letztendlich lieh überzeugte mich dann doch davon, es wenigstens zu versuchen. Sie empfand die Schilderungen nicht als so unerträglich wie ich es befürchtet hatte und ich kann rückblickend sagen, dass auch ich das Lesen des Buches nicht als so “schlimm” empfunden habe. Dies liegt vor allem auch daran, dass die Autorin das Geschehen teilweise mit einer gewissen Distanz beschreibt und außerdem mit einer gehörigen Portion Galgenhumor. Wahrscheinlich die einzige Möglichkeit mit dem Erlebten überhaupt fertig zu werden…
Dabei ist es jedoch auch wichtig hinzuzufügen, dass es sich hier nicht um eine konstruierte Geschichte handelt, der einige sensationsheischende Details hinzugefügt wurden, sondern um ein Tagebuch, das in seiner Form als historisches Zeitdokument gesehen werden kann. Die handschriftlichen Notizen der Autorin wurden posthum durch einen Freund ins Reine geschrieben und später veröffentlicht.
Ich kann das Buch sehr empfehlen, da man viel lernt über eine Zeit, die man im Unterricht von dieser Warte noch kaum betrachtet hat. Zumindest nicht in meinem Geschichstunterricht. Außer natürlich ich war da grad krank oder Kreide holen oder sowas.
“Eine Frau in Berlin” ist allerdings kein literarisches Schmankerl, was sicherlich in erster Linie seiner Form zu verdanken ist. Wenn man es aber unter dem Aspekt der Geschichtsaufarbeitung betrachtet, ist das Buch trotzdem über alle Maßen zu empfehlen. Mir fiel es nur am Anfang ein wenig schwer, in das Geschehen einzusteigen und ich vermisste “schöne, literarisch wertvolle” Sätze. Doch steckt man einmal drin, kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
(keine Kommentare bisher)