Mann, ganz schön anstrengend, dieses ständige Bloggen. Auf der anderen Seite macht es natürlich auch Spass. Wenn ich nur immer die Zeit dazu hätte…

Die Chli ist grad ins Bett. “Die Chli” ist schweizerdütsch und heisst soviel wie “die Kleine”, habe ich von unserem Besuch heute früh gelernt. Wenn die Rita, ihres Zeichens Schweizerin einmal anfing mit Mundart, dann konnte ich nur noch ganz genau die Ohren spitzen, mich konzentrieren und musste in vielen Fällen dann doch enttäuscht fragen, was sie eben gesagt hatte. Voll charmant, diese Sprache, hätte ich nie gedacht. Genauso charmant wie der Besuch der beiden übrigens. Im Besucherranking stehen die mit ganz oben, d.h. sie dürfen wiederkommen :-)

Das sind sie, unsere zwei Schweizer. Zusammen mit ihnen haben wir unsere neuen Gartenmöbel eingeweiht und die Grillsaison eröffnet.

Das sind sie, unsere zwei Schweizer, Lukas und Rita. Zusammen mit ihnen haben wir unsere neuen Gartenmöbel eingeweiht und die Grillsaison eröffnet.

So, nun aber mal zu was ganz Anderem. Wie die Überschrift es schon verrät, habe ich mich beruflich anderweitig orientiert (so sagt man das doch heute, oder?!?) Tja, so richtig wurde mir eigentlich auch keine Wahl gelassen aber es ist gut, dass es nun endlich so gekommen ist, denn ich wollte eigentlich schon lange mal was anderes machen. Also beruflich gesehen. Nun spanne ich euch aber nicht länger auf die Folter, das ist ja nicht zum Aushalten!

Und hier nochmal von vorn, auf dem Preikestolen, der grössten Touristenattraktion Norwegens.

Und hier nochmal von vorn, auf dem Preikestolen, der grössten Touristenattraktion Norwegens.

… die Spannung steigt, die Spannung steigt, was macht die Schuben denn jetzt beruflich?!!?? Eine Umschulung zur Friseurin vielleicht (Ich war doch erst bei “die Madleeeeeen!”)?! Ein Praktikum in der Stadtreiningung??! Oder doch lieber Sesselfurzer auf dem Strassenverkehrsamt? ;-) Nein, Schuster, bleibe bei deinen Leisten: Einmal Lehrer, immer Lehrer, diese Tätigkeit ist schliesslich kein Beruf, sondern eine Diagnose und die lässt sich nicht so leicht abschütteln. Mal davon abgesehen, dass es sogar Spass macht, andere zu beschulen.

In der Zukunft werde ich allerdings nicht mehr am Gymnasium arbeiten und die Grossen unterrichten, sondern meine Zielgruppe sind 6-16 jährige deutsche Wenster, die mit ihren Eltern nach Norwegen gekommen sind und aufgrund der Sprache Probleme haben, im Unterricht hinterherzukommen. Meine Aufgabe wird es sein, diesen Kindern bestimmte Begriffe, die sie eben zum Verständnis des jeweiligen Themengebiets brauchen zu vermitteln und dort weiterzuhelfen, wo es sprachlich bedingt Probleme gibt. Klar bin ich also noch Lehrer, jedoch nun ein ganz anderer, wie ihr seht.

Dass der Preikestolen die grösste Touristenattraktion Norwegens ist, sieht man auch an diesem Bild.

Für mich ist das natürlich ganz schönes Neuland, denn ich muss plötzlich auch in Fächern wie Heimatkunde und Biologie fit sein UND – und das werden mir jetzt alle, die mich kennen besonders nachempfinden können – ich muss auch in Mathe erste Hilfe leisten!!! Das war ehrlich gesagt ein Riesenargument gegen den Job, denn alles was nach der 4.Klasse kommt (wenn nicht schon eher) ist für mich reinster Horror! Doch sollte ich nicht umso mehr endlich mal damit beginnen, mein Kindheitsschultrauma aufzuarbeiten?!? Ich meine, bin ich denn wirklich so doof, dass ich das mit der Bruch- oder Prozentrechnung so gar nicht hinkriegen kann?!?! Ich weiss, alle, die ihr mal mit mir in einer Mathestunde sasst werdet sagen “Ja, dazu bist du zu doof” aber mein Gott, entweder ich lern die Kacke jetzt endlich mal (könnte mir nicht schaden, denn dieses Unwissen zehrt schon seit Jahren mächtig an meinem Selbstbewusstsein) oder ich ärgere mich am Ende vielleicht ein Leben lang darüber, mir vielleicht einen super Job durch die Lappen gehen lassen zu haben. Wie dem auch sei, ich hab zugesagt und freu mich riesig auf die neue Arbeit.

Die da unten mit dem Kinderwagen bin übrigens ich. Klar hätte ich auch mit Manduca da hoch gekonnt aber nach 3 Stunden wird die Chli in dem Ding auf jeden Fall pampig. So hab ich mir die Zeit da unten im Café und am See vertrieben. 4,5 Stunden gingen um wie im nu.

Die da unten mit dem Kinderwagen bin übrigens ich. Klar hätte ich auch mit Manduca da hoch gekonnt aber nach 3 Stunden wird die Chli in dem Ding auf jeden Fall pampig. So hab ich mir die Zeit am Fusse des Felsens im Café und am See vertrieben. 4,5 Stunden gingen um wie im nu und die Zeit zum Wandern wird schon wieder kommen...

Eigentlich musste ich mir vor Allem einen neuen Job suchen, weil eben an meiner Schule nächstes Jahr so wenige Schüler deutsch oder französisch wählen. Demnach werden es im 1.Halbjahr nur 40% und im 2. sogar nur 20% Unterricht. Und das ganze wieder nicht fest, sondern auf ein Jahr befristet. Wer soll denn bitte davon leben?!? Als ich das jedenfalls sah, hat mich die nackte Panik gepackt und ich hab mich sofort im Internet auf den Seiten des Arbeitsamtes umgesehen. Und siehe da, so bin ich auf meine jetzige Stelle gestossen. Es war schon komisch, da so eine Bewerbung auf norwegisch zu schreiben und einen Lebenslauf zu verfassen und es hat mich auch viele Stunden Arbeit gekostet aber es hat sich gelohnt: von 14 Bewerbern habe ich das Rennen gemacht. Nun werdet ihr leidgeprüften Deutschen, die ihr es gewohnt seid, dass es in der BRD auf ein und dieselbe Stelle oftmals 200 Bewerber gibt zwar abschätzig mit dem Kopf schütteln, doch lasst euch gesagt sein, dass 14 Bewerber eine gigantische Zahl ist, wenn es um Stellen auf dem norwegischen Arbeitsmarkt geht. Oft gibt es gar keine oder höchstens drei Anwärter, wovon minstestens zwei wiederum komplett irrelevant für die auszuführende Arbeit sind, kein Witz jetzt. Die Frau, meine zukünftige Chefin war nahezu überfordert von soviel Andrang ;-)

Lukas ist auch so ein begeisterter Fotograf wie Markus und die beiden stehen in punkto tolle Bilder einander in nichts nach. Endlich wird auch mal der Fotograf standesgemäss aufgenommen!

Lukas ist auch so ein begeisterter Fotograf wie Markus und die beiden stehen in punkto tolle Bilder einander in nichts nach. Endlich wird auch mal der Fotograf standesgemäss aufgenommen- ein tolles Bild!

Ich freue mich total darauf, mal was anderes zu machen und vor Allem auch noch etwas Neues zu lernen. Ich hab mir schon oft gesagt, dass es eigentlich schade ist, dass man alles über Morpheme weiss (oder zumindest wissen sollte), aber nicht die heimischen Bäume beim Namen kennt oder genau darüber Bescheid weiss, wie das mit den Bienen und Blümchen so abläuft. Und das meine ich jetzt nicht im übertragenen Sinne, nicht dass ihr mir hier anrüchige Videos in den Kommentar postet ;-) Also versteht ihr was ich meine? Ausserdem habe ich hier in den meisten Fällen Einzelunterricht mit meinen Schülern und bin nicht mehr diesem Riesenstress mit 30-Mann-Gruppen ausgesetzt. Von den nicht zu korrigierenden Arbeiten will ich gar nicht reden… ;-)

Beim Kuscheln mit der Chli. Ich glaub, hier bin ich die Einzige, die daran Spass hatte ;-)

Beim Kuscheln mit der Chli. Ich glaub, hier bin ich die Einzige, die daran Spass hatte ;-)

Das Beste an der Stelle ist aber, dass sie fest, also unbefristet ist und über 70% läuft. Ich wollte auf keinen Fall wieder voll arbeiten gehen ab August- wie auch, schliesslich haben wir erst ab nächstem Jahr einen Kindergartenplatz?!- und der “Bruch” mit der Chli wird mir sowieso schon mächtig zusetzen. Auf diese Art und Weise kann ich mich weiter recht viel um sie kümmern und wenn ich arbeiten bin, kann Markus übernehmen, der ja seit April dank seiner Selbstständigkeit auch flexibler mit seiner Zeit umgehen kann. Ich rechne schon damit, dass es die ersten Monate trotzdem alles ganz schön stressig wird aber ich denke, dass wir das schon meistern werden. Ich bin einfach froh, wieder arbeiten gehen zu können und nicht mehr zu Hause zu hocken, und auch, dass ich so die Chance habe, in etwas Neues hinein zu schnuppern. Ich hatte schon länger Lust, mal was anderes zu machen, denn Gymmilehrer sein ist ganz schön anstrengend und es fällt mir schwer mir vorzustellen, dass ich diesen Beruf jetzt mein Leben lang machen soll. Früher hatte ich kein Kind, das meine Kraft brauchte aber heute sieht das anders aus. Ich möchte nicht alle Energie auf meine Arbeit verwenden und in der Schwangerschaft habe ich gemerkt, wie der Beruf an die Substanz geht. Aber gut, da war ich auch wirklich anfällig für alles und das ist vielleicht kein repräsentatives Argument. Wie auch immer, ick freu mir ;-) Mal davon abgesehen, dass ich nun endlich nicht mehr um die Zukunft bangen muss. Die Stelle ist fest, ich bin bei der Kommune angestellt, habe normale Lehrerferien, was soll ich dazu noch sagen. Nach drei Jahren unbefristeter Arbeit, tut es einfach total gut, endlich etwas abgesicherter zu sein.

In der Hängematte fühlte sich Lilly pudelwohl. Lacht nicht obgleich des winterlichen Anzugs, hier scheint zwar toll die Sonne aber mehr als 17 Grad werden selten ;-)

In der Hängematte fühlte sich Lilly pudelwohl. Lacht nicht obgleich des winterlichen Anzugs, hier scheint zwar toll die Sonne aber mehr als 17 Grad werden selten ;-)

Mann, ich hätte euch gern noch soviel davon geschrieben, denn bei mir im Kopf herrscht irgendwie so eine Umbruchstimmung und ich bin grad sehr begeistert von der neuen Perspektive, die sich da so mir nichts dir nichts eröffnet hat, doch hab ich schon wieder elende viel geschrieben und lasse euch nun lieber eure freie Zeit hinter dem Compi anders verbringen :-) Wir sprechen uns in zwei Tagen wieder!

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