
Ja, so gemütlich war es in Oslo: Strahlender Sonnenschein, ein liebes Kind und endlich mal weit weg vom Windeleimer zu Hause.
Wie bereits im letzten Blogeintrag angekündigt, sind wir letztes Wochenende mit dem Zug drei Tage nach Oslo gefahren, um der Maus einen Pass zu besorgen. Ich will mich jetzt gar nicht darüber auslassen, wie uns die deutsche Bürokratie diesmal gefrustet hat- die wollten echt ALLES haben, bis hin zu einer Übersetzung der Vaterschaftsanerkennung, die uns mal schnell schlappe 200 Euro gekostet hat (für ein simples Blatt Papir wohl gemerkt), doch was soll’s, vom Meckern wird’s auch nicht besser und es sieht so aus, als würde Lilly bald wirklich ein richtiger Mensch werden. Zumindest nach den Massstäben des deutschen Staates…
Viel schöner ist all das Andere, das ich zu berichten weiss: von unserer lieben Lilly, die von allen Kindern im Zug das liebste war, vom Wetter, das uns zum ersten Mal keinen Strich durch die Hauptstadtbesichtigung gemacht hat, vom sehr angenehmen Zugreisen, das uns in Norwegen immer wieder verblüfft oder aber auch vom guten Essen, das Markus und ich an Oslos Strandpromenade geniessen konnten.

Obwohl der Zug bis Oslo über 7 Stunden unterwegs ist, kam uns die Zeit überhaupt nicht lang vor. Lag wahrscheinlich an der Maus...
Mensch, hat sich unser Kind exemplarisch verhalten! Wir sind ja diesmal mit dem “Familienwagon” gereist, da wir den Kinderwagen mitnehmen mussten und so fand es sich, dass ausser unserer Lilly auch noch einige andere kleine Babys und Kinder mitfuhren. Die waren auch alle ganz niedlich anzusehen, aber irgendwie hörte man es ständig heulen und schreien von allen Seiten und das konnte teiweise schon ganz schön nervig sein. Unsere Maus hingegen lag entweder schlummernd in ihrer Kinderwagentasche, die wir auf dem Sitz abgestellt hatten oder machte es sich wechselweise auf Mama oder Papa bequem. Ausser zu Essenszeiten hörte man keinen Mucks von ihr, es sei denn ein vergnügtes Glucksen, wie sie es sich seit einiger Zeit zur Angewohnheit gemacht hat. Was für ein entspanntes Reisen! Und wir hatten schon die schlimmsten Befürchtungen gehabt!
Das Miese an der Sache war, dass es mich genau in der Nacht vorher so richtig schön entschärft hat. Mein Hals feuerte wie die Hölle, die ersten Hustenanfälle überkamen mich und ich fühlte mich so richtig schön elend. Aber auch die Maus kannte keine Gnade: aller zwei Stunden musste ich ran, obwohl sie ja sonst gerade nachts schön ihren Dreistundenrhythmus einhält. Mannomann, ich hab wirklich ein wenig mit mir gehadert, ob ich mitfahren sollte oder nicht. Obwohl ich die kompletten drei Tage in Oslo nur flüstern konnte, weil aus meinem Hals einfach null Stimme mehr rauskommen wollte, hab ich es aber nicht bereut, schliesslich doch mitgefahren zu sein. Tat mir nur leid, dass ich der Maus nicht mal mehr ihr Schlafliedchen singen konnte. Da musste dann Markus ran.

Am Schloss von den Royals. Also ihr wisst schon, Prinz Håkon und seine Mette Marit und wie die nicht alle heissen. Haben sich aber nicht blicken lassen...
Für den Geldbeutel war das Ganze allerdings wie ein Loch mit der Schere. Allein die Übernachtung kostete uns ein halbes Vermögen! Derweile wohnten wir nichtmal im Hotel, sondern in so einer Villa, in der man Appartments mieten konnte. Das war immernoch wesentlich billiger als alles Andere! Super gelegen, soviel sei gesagt- genau zwischen Botschaft und Zentrum, nichts weiter als 5 Geh-minuten entfernt. Das war echt ideal, denn unser Termin bei der Botschaft war morgens um 8!
Nachdem unser Fernseher in der eigentlich für uns vorgesehenen Wohnung nicht funktionierte, wurde uns kurzerhand die “Royal suite”, ihres Zeichens beste Wohnung des Hauses zuerkannt. Hier seht ihr praktisch nur das Wohnzimmer. Nebenan gab es dann noch ein Schlafzimmer und eine kleine Bettnische obendrüber. Das Appartment, das wir eigentlich beziehen sollten, war wohl eher was für Ölsardinen… Wie die sich das mit einem Kind gedacht haben, fragt sich eh. Lilly wurde selbst in der “Royal suite” auf dem Esstisch gewickelt und in unserem Bett musste sie auch schlafen, ob des fehlenden Babybetts.
Tja und Oslo an sich war einfach nur toll. Da es mir nicht so gut ging, haben wir es langsam angehen lassen und ich hab mich nach dem Termin in der Botschaft nochmal zwei Stunden mit Lilly hingelegt. Danach fühlte ich mich wie neugeboren und Markus und ich konnten unserer Tochter in aller Ruhe die Hauptstadt zeigen gehen. Toll war auch, dass wir uns abends noch mit Freunden getroffen haben, die in Oslo wohnen (die wir aber aufgrund der kurzfristigen Planung nicht um Schlafasyl bitten wollten). So richtig schön entspannt. Trotzdem lag ich jeden Abend spätestens um 10 im Bett.
Ihr seht es, das Wetter war herrlich und zum ersten Mal hatte ich keine Angst, auch im Freien zu stillen. Mal davon abgesehen, dass dort weit und breit sowieso nichts war, wo man hätte sein Kind füttern können. Das war ein toller Ausflug, diese Museumsinsel, auch wenn wir in keinem einzigem Museum waren ;-) Wir wollten einfach das schöne Wetter geniessen (so oft ist das ja nicht in Norwegen und besonders in Oslo hatte ich bisher damit fast immer Pech). Drum sind wir viel gelaufen und waren am Ende ganz schön geschafft, weil wir unser Gepäck die ganze Zeit mitschleppen mussten (der Zug ging nachmittags und wir konnten es nirgendwo einschliessen).
Es tat einfach nur soooo gut, mal rauszukommen und sei es nur für drei Tage! Man fühlt sich gleich wie ein neuer Mensch! Und man hat auch mal wieder gesehen, dass eine Reise mit so einem kleinen Kind eigentlich überhaupt kein Problem ist.
Obwohl wir der Zugfahrt zu Anfang auch etwas mit Angst entgegen geblickt hatten, freuten wir uns am Ende richtig darauf. Ich konnte mal wieder ausgiebig lesen – ein vollkommen zerfleddertes Buch, das ich seitenweise vornehmen musste – und mit der Maus im Schlepptau ist sowieso alles viel schöner.

Auf der Rückfahrt hatten wir einen ganzen Wagon nur für uns, währenddessen sich in den herkömmlichen Abteilen die Leute übereinander stapelten. Haha, hätten wir das eher gewusst, hätten wir schon früher im Familienwagen unsere Plätze bestellt :-)
Nun ist wieder der Alltag angebrochen und ich sehne mich nach Besuch bzw. noch mehr nach dem Urlaub in Leipzig. Hach, das kann nur toll werden. Für Markus ist hingegen einiges an Veränderung passiert. Er hat sich ja selbständig gemacht zu Anfang des Monats und hat nun ein Büro im neugebauten Hochhaus von Bryne. Dort sitzt er zusammen mit seinen ehemaligen Kollegen von Lokomotiv und ist nun eigenständiger Webdesigner. Wow, was für eine Veränderung! Aber ich merke, dass ihm genau die gerade total gut tut und bin frohen Mutes, dass er das alles gut meistern wird in Zukunft.
Nun gut. Das war’s erstmal wieder von uns hier. Danke für eure vielen lieben Kommentare immer, ich freue mich jedes Mal riesig darüber! Es tut mir voll leid, dass ich das mit dem Antworten nicht immer sofort schaffe, aber ich gebe mein Bestes, es so schnell wie möglich nachzuholen. Ich drück euch fest aus der Ferne, liebe Leserschaft.