Nachdem in den letzten Tagen und Wochen die Diskussion zum Thema Schweinegrippe wieder heiss entbrannt ist, musste besonders ich, Angehörige der Risikogruppe “schwanger” mich der Frage stellen, was für mich und das Kind am Besten ist: Grippe bekommen und eventuell schwere Komplikationen beim Krankheitsverlauf in Kauf nehmen oder ein an Schwangeren bislang ungetestetes Impfmittel einnehmen, dessen vollständige Wirkung auf Mutter und Fötus noch unklar ist. Ihr könnt euch vorstellen, dass das keine leichte Entscheidung war und Markus und ich haben es uns weiss Gott nicht leicht gemacht mit der Lösung dieses Problems. Vielleicht ist auch alles nur Panikmache, aber ebenso ist es möglich, dass man sich zu Recht Sorgen machen sollte.
Das Problem an der Sache ist jedoch vor Allem auch, dass ich nicht nur als Schwangere als besonders gefährdet gelte, sondern dass ich eben auch an einem der “Hauptumschlagspunkte” der Krankheit arbeite: an einer Schule. Jeden Tag habe ich mit bis zu 100 Schülern zu tun. Ich muss mich zu ihnen hinunter bücken, um beispielsweise beim Lösen von Aufgaben behilflich zu sein, in ziemlich stickigen Räumen unterrichten, weil keiner bei den Temperaturen draussen das Fenster aufmachen möchte und kann einfach bei vielen Fragen und Gesprächen keinen Mindestabstand von mehreren Metern halten. Da hilft auch das häufige Händewaschen nicht viel…
Da ich heute wegen meiner Krankschreibung sowieso bei meiner Ärztin war, habe ich ihr direkt von dem Dilemma erzählt. Wie erwartet plädierte sie für die Impfung, hatte jedoch auch grosses Verständnis für meine Unsicherheit. Obwohl ich dem Impfen gegen die Schweinegrippe eigentlich eher ablehnend gegenüber eingestellt war, fand sie überzeugende Argumente, sich doch immunisieren zu lassen:
- Alle Wirkstoffe, die im Impfmittel enthalten sind, wurden jahrelang an Schwangeren erprobt und haben keinerlei Bedenken aufgegeben. Getestet wurde eben nur nicht ihre Wirkung miteinander.
- Komplikationen beim Krankheitsverlauf sind besonders in der Spätschwangerschaft eher wahrscheinlich als am Anfang. Da ja sämtliche Organe nach oben gepresst werden, damit sich die Gebärmutter Platz verschaffen kann, ist besonders der Atemapparat der Schwangeren eingeschränkt. Und das also schon ohne Schweinegrippevirus. Die Chance, bei einer Infektion eine Lungenentzündung oder noch schwerwiegendere respiratorische Komplikationen zu bekommen, ist deshalb um Einiges grösser. Da ich schon seit Tagen an Atembeschwerden leide (den Eindruck habe, nicht mehr ordentlich Luft zu kriegen), macht mir dieses Argument besonders Angst. Zudem bin ich ab nächste Woche dann auch schon im 8.Monat.
- Wie mir meine Ärztin heute erzählte, ist auch schon eine Schwangere an den Folgen der Schweinegrippe gestorben. Sie konnte ihr Kind wohl noch zur Welt bringen, starb jedoch 2 Wochen später an den Folgen in einem Krankenhaus in Oslo. Regt euch bitte nicht auf, dass sie mir sowas erzählt, ich habe sie ausdrücklich danach gefragt.
- Alle Ärzte im Ärztehaus, in dem ich heute war, haben sich selbst impfen lassen, einschliesslich einer Schwangeren in der 23.Woche. Würde sie sich dem Risiko aussetzen, wenn sie nicht vorher die Risiken genau abgewogen hätte?
- Mit hoher Wahrscheinlichkeit würde bei einer Grippeerkrankung (laut Aussage der Ärztin) das Baby grössere Schäden davontragen, als von der Grippeimpfung. Schliesslich ist eines der Hauptsymptome der Schweinegrippe hohes Fieber.
Es gibt sicherlich noch mehr Gründe sich impfen zu lassen, genauso wie es bestimmt auch zahlreiche Argumente dagegen gibt. Jeder muss versuchen, sich selbst eine Meinung zu bilden und für sich selbst eine Nutzen-Risiko-Erwägung anstellen. Wäre ich erst am Anfang des 2.Drittels der Schwangerschaft, hätte ich mich vielleicht nicht impfen lassen. Und im ersten schon gar nicht, da die Chancen auf eventuelle Fehlbildungen oder ähnliches vielleicht um Einiges höher sind. Nun aber ist zumindest die organische Entwicklung schon lange abgeschlossen und das Kind muss “nur” noch wachsen. Ausserdem bin ich einer Ansteckung wie gesagt potenziell eher ausgesetzt, als jemand, der beispielsweise von zu Hause aus arbeitet. Aber voll geschützt ist man letztendlich nie und das selbst in geimpftem Zustand. Leider kann man auch nie 100%ig sicher sein, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Wichtig ist denke ich nur, dass man sich vorher Gedanken über das Thema macht und dann bewusst zu einem Urteil kommt, wie auch immer dieses ausfallen möge.
Eigentlich geht die offizielle Impfkampagne erst am Dienstag in Norwegen los. So lange hätte ich nach dem Gespräch mit meiner Ärztin heute also noch Bedenkzeit gehabt. Doch zufällig wollte ich noch einen normalen Bluttest machen lassen und meldete mich nach der Sprechstunde im Labor. Dort bot mir die freundliche Krankenschwester an, mich heute noch zu impfen, da vom Impfstoff, mit dem heute Morgen alle Ärzte immunisiert wurden noch etwas übrig war. Da hiess es, sich schnell zu entscheiden. Und das war vielleicht auch das Beste. Ich hätte mich doch am Wochenende nur verrückt gemacht und wäre am Dienstag genauso schlau wie vorher. Dann lieber gleich und ohne lange Wartezeiten. Nach einem kleinen Pieks und nochmaliger Bestätigung der Laborantin, dass diese Entscheidung die einzig richtige war, war die Sache dann auch schon überstanden. Ich war richtig überrascht, wie sehr man sich Gedanken machen kann, um dann im Laufe weniger Sekunden seinen Entschluss umzusetzen. Glücklich war ich nicht darüber und fühlte mich direkt wie eine Rabenmutter, die vielleicht gerade das Leben ihres Kindes zerstört hat (total bekloppt, ich weiss) aber Gott sei Dank konnten sowohl Markus, als auch besonders meine Mama meine Bedenken etwas zerstreuen.
So, das war jetzt ein langer Artikel, der vielleicht nicht jeden interessiert (besonders den, der kein Kind erwartet), doch habe ich gestern beim Googeln im Internet gemerkt, dass diese Impfentscheidung besonders für Schwangere extrem schwierig ist und vielleicht kann ja mein Beitrag hier ein wenig bei der Entscheidungsfindung helfen.
Für euch Anderen habe ich zum Abschluss noch etwas Schönes, was wir letztens beim Radiohören entdeckt haben. Immer wieder stellen Markus und ich nämlich fest, dass die Skandinavier ziemlich gute Musik machen. Viel Spass dabei und schönes Wochenende!




















